Eingebettet zwischen dem Palast der Familie Rogadeo und dem Bove-Palast, im Herzen der Altstadt von Bitonto, befindet sich die Patronatskapelle der Familie Rogadeo, die der heiligen Anna geweiht ist.
In einem architektonischen Ensemble, das Stile und Epochen miteinander verbindet, stellt diese Kapelle ein bedeutendes Fragment der vielschichtigen Geschichte der Stadt dar.
Die ursprüngliche Struktur wurde im 17. Jahrhundert im Rahmen der städtischen Neugestaltung stark verändert, die mit der Verbreiterung der Via Mercanti einherging. Die Kapelle wurde verkürzt und der ursprüngliche Eingangsbereich abgerissen.
1648 wurde die Fassade neu aufgebaut, das Rundbogenportal versetzt, und das Gebäude offiziell zur Versammlungshalle der Adligenerklärt – ein Ort, an dem sich die aristokratischen Familien von Bitonto versammelten. In die Lünette über dem Eingang wurden die Wappen der Adelsfamilien eingefügt, wodurch die Kapelle zu einem heraldischen Denkmal wurde.
Diese Versammlungsorte – im Italienischen Sedili genannt – waren typische politisch-administrative Institutionen des Königreichs Neapel, gegründet, um der lokalen Aristokratie Mitsprache in der städtischen Verwaltung zu gewähren.
Von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts spielte der Sitz der heiligen Anna eine zentrale Rolle im politischen Leben von Bitonto – insbesondere nach der Gewährung der kommunalen Autonomie im Jahr 1551 und den Reformen von 1565, in denen dreiunddreißig Adelsfamilien offiziell anerkannt wurden. Doch in dieser Zeit entstand auch ein neues Machtzentrum: der Volksplatz nahe dem Baresana-Tor.
Mit dem schwindenden Einfluss des Adels und zunehmenden Spannungen zwischen der noblen und der bürgerlichen Klasse verlor der Sitz der Adligen allmählich an Bedeutung. Die Versammlungen wurden zunehmend bedeutungslos, bis die Institution unter der französischen Herrschaft und deren antifeudalen Reformen endgültig abgeschafft wurde.
Trotz des später aufgetragenen Putzes aus dem 18. Jahrhundert sind Teile der ursprünglichen Struktur erhalten geblieben. Nach alter Tradition ist das Gebäude Ost-West ausgerichtet, mit dem Altar in einer kuppelüberwölbten Apsis. Im Inneren befindet sich ein eindrucksvolles Gemälde von Carlo Rosa, das die Jungfrau mit dem Kind zeigt – umgeben von Heiligen, in einem stillen, innigen Dialog.Unter dem Boden liegt die Grabplatte von GiacomoRogadeo – ein stiller Zeuge der einstigen Größe und des adligen Erbes der Familie in der Geschichte Bitontos.
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