Im Süden der Altstadt stand einst eine kleine Kapelle, die Maria oder “Unsere Liebe Frau des Volkes” geweiht war und bis zum Ende des 16. Jahrhunderts genutzt wurde. Wie viele Schreine und Kapellen außerhalb der Stadtmauern war sie ein Ort der Pilgerreise und tiefen Volksfrömmigkeit. Die Kapelle hatte mittelalterliche Ursprünge und beherbergte ein Fresko der Madonna der göttlichen Gnade, das Gläubige aus Bitonto und den umliegenden Städten anzog.
Auf demselben Gelände wurde 1601 eine neue ländliche Kirche errichtet, die den ursprünglichen Namen beibehielt.
Doch bereits 1614 begann das Gebäude unter eindringendem Wasser zu leiden, was 1665 zu einer Restaurierung führte.
Die Giebelfassade der Kirche, errichtet aus grob behauenen Kalksteinblöcken, zeichnet sich durch ein klassisches Eingangsportal mit einem dreieckigen Tympanon aus. Ein besonders raffiniertes Detail ist das runde Steinrelief – ein skulptierter Kranz, der ein Bild der Jungfrau Maria mit dem Kind zeigt. Der übrige Fassadenteil ist schlicht und zurückhaltend, nur unterbrochen vom Portal und einem darüberliegenden, segmentbogigen Fenster. Die Laterne auf der zentralen Kuppel sowie ein kleiner Glockengiebel mit zwei Öffnungen heben sich dezent über die Dachlinie.
Zunächst unter der Verwaltung des Domkapitels stehend, wurde die Kirche später der Bruderschaft des Heiligen Geistes anvertraut. Im Jahr 1702 überließen die Behörden sie schließlich den Unbeschuhten Karmeliten des Ordens der heiligen Teresa von Ávila. Die Mönche bezogen nicht nur das angrenzende Kloster, sondern begannen auch mit bedeutenden Restaurierungsarbeiten. Mitte des 18. Jahrhunderts gestalteten sie das Kircheninnere im Stil des barocken Rokoko um, geprägt von reich verzierten Stuckarbeiten und verspielten Ornamenten.
Diese schmücken heute die zentrale Kuppel, die Querhausarme, das Hauptschiff und die Seitenaltäre. Akanthusblätter, Voluten, Spiralen und Cherubim verschmelzen elegant mit der Architektur und schaffen eine Atmosphäre kultivierter Feierlichkeit.
Die Säulen entlang des Mittelschiffs – ursprünglich möglicherweise unverkleidet – wurden in das neugestaltete Raumkonzept integriert, während die alten Holzbalken durch gewölbte Decken ersetzt wurden.
Die ursprünglichen Fenster wurden zugemauert und durch neue Öffnungen ersetzt, die dem ästhetischen Empfinden des 18. Jahrhunderts entsprachen. Der ursprüngliche Entwurf sah vermutlich eine Frauengalerie vor, die jedoch nie realisiert wurde – die Karmeliten hielten sie während ihrer Umbauten für entbehrlich.
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