Der Palast Pannone–Ferrara, vollendet im Jahr 1858, ist ein Paradebeispiel für eine elegante bürgerliche Residenz des 19. Jahrhunderts. Seine Lage ist strategisch: Er steht entlang der Linie des Anjou-Turms und der mittelalterlichen Stadtmauer, genau dort, wo sich einst die Festungsanlagen aus der Habsburgerzeit erhoben. Diese Verteidigungsanlagen, die sich vom Kirchenkomplex der heiligen Lucia bis zum Anjou-Turm erstreckten, waren einst mit malerischen hängenden Gärten versehen. Der Palast befindet sich im Herzen des 19.-Jahrhundert-Viertels von Bitonto, an dem Punkt, an dem sich die Hauptstraßen bündeln – wie Speichen, die von der zentralen Piazza ausgehen.
Zwischen 1834 und 1849 wurde der ungewöhnliche trapezförmige Grundriss des Gebäudes festgelegt, der die Grundlage für spätere Erweiterungen bildete. Der Palast fällt durch seine experimentelle Architektur auf – jeder Teilbereich zeigt eigene gestalterische Entscheidungen, sodass das ganze Gebäude wie ein stilistisches Versuchslabor wirkt.
Auf den ersten Blick erscheint die Hauptfassade schlicht, doch bei näherer Betrachtung offenbart sich eine Fülle architektonischer Details. Das obere Gesims ist mit Zahnschnittornamenten verziert und ruht auf einem Sockel, der glatte Bänder mit leicht strukturiertem Mauerwerk abwechselt. In der Mitte befindet sich ein breites, rundbogiges Kutschenportal, das sich über das Gurtgesims und das Mauerwerk erhebt und einen kleinen Balkon mit Fenster trägt.
Die Außenwände sind mit einem Streifenputz versehen, der das Aussehen von gemauerten Ziegelreihen imitiert. Die Gebäudeecken werden durch leicht vorspringende Steinquader betont, während der Rest der Fassade durch einen gleichmäßigen Rhythmus von fünf symmetrisch angeordneten Fenstern gegliedert ist.
Wenn das Äußere von zurückhaltender Eleganz spricht, offenbart sich die wahre Pracht des Palastes im Inneren. Durch das Hauptportal gelangt man in eine großzügige Eingangshalle mit einer Kassettendecke. Hier kontrastieren warme strohfarbene Töne des Steins mit dem hellen Bodenbelag aus Trani-Stein auf eindrucksvolle Weise.
Der weitläufige Innenhof erinnert an die Atmosphäre eines Renaissancehofs, bereichert durch Elemente des neapolitanischen Barock, jedoch neu interpretiert im neoklassizistischen Stil. Die prächtige Treppe wurde nicht nur als gestalterisches Highlight entworfen, sondern auch mit dem Ziel, die darüberliegenden Räume thermisch zu versorgen – beginnend schon im Innenhof selbst. So vereint sie Schönheit und Funktionalität in perfekter Harmonie.
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