Erhaben erhebt sich die Kirche des heiligen Gaetano über die Piazza Cavour – ein kraftvolles Beispiel barocker Architektur und ein bleibendes Zeugnis für die langjährige Präsenz des Theatinerordens in Bitonto. Der Bau begann am 6. Dezember 1609 mit der feierlichen Grundsteinlegung vor einer jubelnden Menschenmenge. Um Platz für die neue Kirche zu schaffen, ließen die Theatiner das alte Taufhaus des heiligen Johannes abreißen – es stand dort, wo heute die Kirchenstufen beginnen – und verwandelten nahegelegene Häuser in ein Kloster. Trotz aller Begeisterung schritt der Bau nur langsam voran: Die Weihe der Kirche erfolgte erst im Jahr 1730 – und selbst dann war sie noch nicht vollendet.
Die Fassade der Kirche ist wuchtig und rustikal, zweigeschossig gegliedert und mit Pilastern und Nischen versehen – doch die Sockel für die geplanten Statuen blieben leer. Die großzügige Treppe, die zur Kirche hinaufführt, verstärkt den vertikalen Eindruck des Gebäudes, während das dreieckige Giebelfeld seine monumentale Wirkung noch unterstreicht.
Der Innenraum wurde von der römischen Mutterkirche des Theatinerordens, Sant’Andrea della Valle, inspiriert. Das große rechteckige Hauptschiff ist durch ein markantes Gesims in zwei Abschnitte unterteilt, seitlich von miteinander verbundenen Kapellen gesäumt. Die hölzerne, geneigte Decke ist reich verziert mit Szenen aus dem Leben des heiligen Nikolaus, gemalt vom berühmten Künstler Carlo Rosa (1613–1678). Das zentrale Bild zeigt Die Verherrlichung der Heiligen Nikolaus, Gaetano und Andreas von Avellino – eine Hommage an die spirituelle Tiefe des Theatinerordens.
Am Ende der Kirche erhebt sich eine halbkreisförmige Apsis über einer Reihe von Seitenkapellen. Besonders auffällig ist die erste Kapelle rechts, im Besitz der Familie Sylos-Sersale, mit ihrem barocken Altar aus Lecce-Stein und einem kostbaren manieristischen Gemälde der Geburt der Jungfrau Maria.
Auf der linken Seite befinden sich die ehemaligen Kapellen, die dem heiligen Josef und den Reliquien der heiligen Anna gewidmet waren – heute dem Heiligsten Herzen Jesu und der Schmerzhaften Muttergottes geweiht. Entlang der Wände erinnern Marmortafeln mit Engeln und kunstvollem Rollwerk an die Frömmigkeit der lokalen Adelsfamilien.
Über ihre religiöse Funktion hinaus spielten die Theatiner eine zentrale Rolle im Gemeindeleben: Sie boten spirituelle Begleitung, halfen Kranken, bildeten den Klerus aus und unterrichteten den Adel. Zudem gründeten sie ein Oratorium und einen frommen Totenfonds – bekannt als Monte dei Morti –, um das Gebet für die Verstorbenen zu fördern. Durch ihre Mission verbreiteten sie die Verehrung des heiligen Andreas von Avellino und des seligen Gaetano, die ihr geistliches und soziales Wirken tief geprägt haben.
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