24 - Vulpano–Sylos-Palast

Das bedeutendste Beispiel bürgerlicher Renaissance-Architektur in Apulien

Transkript des Audioguides

Der Vulpano–Sylos-Palast zählt zu den herausragendsten Beispielen bürgerlicher Renaissance-Architektur in Apulien. Er war zudem eines der ersten Bauwerke der Region, das offiziell als nationales Denkmal anerkannt wurde. Der Bau begann gegen Ende des 15. Jahrhunderts auf Wunsch der Familie Vulpano.

Das Gebäude erstreckt sich über zwei Stockwerke und zeichnet sich durch eine schlichte Struktur aus, die nur durch ein imposantes Portal im katalanischen Stil unterbrochen wird. Über dem Eingang befindet sich eine Nische mit einer Statue des Erzengels Michael – dem Schutzpatron der Familie und Namensgeber der privaten Hauskapelle. In der rechten Ecke der Fassade steht eine gemeißelte Kriegerfigur, Symbol für Stärke und Adel. Das Portal selbst, dessen Bogen in eine rechteckige Rahmung eingefasst ist, spiegelt die künstlerische Atmosphäre des spätgotischen Neapel wider, in der sich katalanische Gotik und toskanischer Renaissance-Klassizismus vereinten.

An den Ecken des Eingangs sind die Wappen der Familie Vulpano zu sehen, geschmückt mit Lilienornamenten.

Vom Innenhof aus bewundert man die zweigeschossige Loggia, unterteilt durch ein horizontales Gesims, das die Symmetrie der Architektur betont. Im unteren Bereich ruht eine Bogenreihe auf korinthischen Säulen; das obere Geschoss folgt demselben Muster, gekrönt von Kreuzgewölben mit späteren Stuckverzierungen. Klassische Türen und Fenster unterstreichen die harmonische Wirkung des Hofes, während ein Zierbrunnen auf der rechten Seite mit einem Blumenkranz verziert ist – ein Werk, das dem Bildhauer Nuzzo Barba zugeschrieben wird.

Ein besonders faszinierendes Element des Palastes ist das Flachrelief, das auf zwei Ebenen Bedeutung vermittelt:

zum einen als Gedenkmonument an die Familie Vulpano, zum anderen als Träger einer ethischen und bürgerlichen Botschaft. Im ersten Register sieht man die Büsten der vier Kardinaltugenden: Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung. Unter dem Gesims steht ein Zitat des römischen Historikers Sallust: „In Eintracht wachsen selbst kleine Dinge, in Zwietracht zerfallen selbst die größten.“Das dritte Register zeigt mythologische und historische Figuren, während das Zentrum eine Gedenkplatte birgt – flankiert von den Porträts der Familie Vulpano und dem Wappen der Familie Sylos.

Dank einer jüngeren Restaurierung wurden im Erdgeschoss zwei Räume mit klassisch inspirierten Deckenfresken freigelegt. Ihr zentrales Thema ist die Begegnung von heiliger und weltlicher Liebe, dargestellt in vier ikonischen Szenen: Dido mit gezogenem Schwert, überwältigt vom Schmerz über Aeneas’ Verlassen, das Haar vom Wind zerzaust, das Gesicht voller Verzweiflung – ein letzter, dramatischer Akt. Cleopatra, dargestellt mit der Aspisnatter, Symbol für Luxus und Verfall, wählt den Tod, um der Demütigung durch Octavians Triumph nach der Niederlage bei Actium zu entgehen. Cornelia, Tochter von Scipio Africanus, steht für das Ideal der römischen Mutter.Nach dem Tod ihres Mannes lehnt sie eine neue Ehe ab und widmet sich ganz ihren Kindern. Ihr nachdenklicher Blick, ein Kind an ihrer Seite, das andere ahnungslos beim Spielen, offenbart die Last ihres Schicksals. Die Geschichte von Pero und Cimon schließlich verkörpert römische pìetas: den Moment, in dem Pero heimlich ihren zum Hungertod verurteilten Vater Cimon in dessen Gefängnis stillt – ein Akt der tiefsten kindlichen Hingabe.

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