Die Kathedrale von Bitonto erhebt sich im Herzen der Altstadt, genau an dem Punkt, an dem sich einst die antiken hellenistisch-römischen Straßen kreuzten.
Sie wurde Ende des 11. Jahrhunderts während der normannischen Herrschaft unter der Grafsherrschaft von Robert Guiscard gegründet. Der Bau begann unter Bischof Arnulf, der die Diözese von 1085 bis 1095 leitete, mit der Errichtung der Krypta – nachdem die Apsis einer älteren frühchristlichen Basilika zu Ehren des heiligen Valentin abgetragen worden war.
Als der Bau zwischen 1229 und 1240 vollendet wurde, ragte die Kathedrale imposant über die Stadt. Neben ihrer religiösen Bedeutung erfüllte sie auch politische, rechtliche, soziale und wirtschaftliche Funktionen.
Die Fassade öffnet sich zu einem großzügigen Vorplatz und tritt in architektonischen Dialog mit dem nahegelegenen De-Lerma-Palast über einen kleinen episkopalen Balkon aus dem 17. Jahrhundert, der von Bischof Fabrizio Carafa für feierliche Segnungen in Auftrag gegeben wurde.
Sie ist in drei Abschnitte gegliedert, die durch markante Pilaster getrennt sind – ein architektonisches Echo auf das dreischiffige Innenraumkonzept. Das Architrav zeigt die freudenreichen Geheimnisse: die Verkündigung, den Besuch Mariens bei Elisabeth, die Geburt Jesu und seine Darstellung im Tempel. In der Lünette darüber ist der auferstandene Christus mit dem patriarchalen Kreuz dargestellt, wie er die Gerechten aus dem Limbus befreit: rechts David, Saul und Salomo, links Adam, Eva und Seth.
Der Archivoltenbogen wird von zwei Greifen getragen – Symbolfiguren der doppelten Natur Christi –, die eine Ziege und einen Hasen greifen, Sinnbilder des Bösen. Die Greifen ruhen auf Säulen und auf zwei Löwenfiguren, deren Formen durch die Zeit abgeschliffen sind. Über dem Bogen befindet sich ein skulptiertes Tier, das lange als Adler – Wappentier der Staufer – interpretiert wurde. Der Schnabel und die Krallen deuten jedoch auf einen Pelikan hin, ein Symbol der Erlösung: Der Legende nach reißt sich der Pelikan die Brust auf, um seine Jungen zu nähren – ein Bild des Opfers Christi.
Das prachtvolle Rosettenfenster über dem Portal gehört zu den schönsten in Apulien. Es besteht aus einem zentralen Ring, der über sechzehn asymmetrisch angeordnete Speichen mit dem äußeren Ring verbunden ist – ein raffinierter Effekt, der Bewegung erzeugt. Darüber thront eine Sphinx – ein ägyptisch inspiriertes Element, das in der christlichen Ikonografie Teil des Tetramorphs ist: das menschliche Gesicht für Matthäus, Adlerflügel für Johannes, der Löwenkörper für Markus und der Stierschwanz für Lukas.
An der Südseite des Gebäudes verläuft eine sechsbogige Arkadengalerie. Ihre Kapitelle sind mit realen und fantastischen Kreaturen geschmückt, die zur geistlichen Reflexion einladen. Die liturgische Tür auf dieser Seite ist von einem gotischen Portal aus dem 14. Jahrhundert eingerahmt und zeigt Christus im byzantinischen Stil, gekleidet in priesterlicher Gewandung.
Die Kathedrale von Bitonto gilt als Prototyp des apulisch-romanischen Stils. Sie wird für ihre harmonische Architektur gefeiert, die Einflüsse aus griechischer, arabischer, sarazenischer und sizilianischer Bautradition vereint.
Der Innenraum ist schlicht und feierlich und folgt dem Grundriss einer Basilika mit drei Schiffen. Ab dem 14. Jahrhundert dienten die Seitenschiffe als Grabkapellen für Adelsfamilien und Mitglieder des Domkapitels. Darüber verläuft eine zweite Fensterreihe – die sogenannten Frauenemporen – die den Zugang zu den Gottesdiensten für Frauen ermöglichten, im Unterschied zu vielen anderen Kathedralen.
Die heutige offene Holzbalkendecke ersetzt eine dekorierte Kassettendecke aus dem 19. Jahrhundert. Das Querhaus, das heute leer ist, war einst mit liturgischem Mobiliar ausgestattet, das 1651 entfernt wurde.
Die Kapitelle der Säulen sind mit pflanzlichen und tierischen Motiven geschmückt. Besonders berühmt ist die Darstellung der mittelalterlichen Legende von Alexander dem Großen, der von Greifen in den Himmel getragen wird.
Der Taufstein – aus einem einzigen Steinblock gefertigt, wahrscheinlich von der Werkstatt des Nicolaus – ist ein Meisterwerk der Bildhauerkunst: Ohne sichtbare Fugen klingt er wie eine Glocke, wenn man ihn anschlägt.
Der Ambo, ebenfalls von Nicolaus und auf das Jahr 1229 datiert, wurde ursprünglich in der Nähe des zentralen Pfeilers aufgestellt und im 18. Jahrhundert versetzt.
Die Signatur des Künstlers ist auf dem Pult eingraviert, zusammen mit den Symbolen der vier Evangelisten.
Die Kanzel wurde im 18. Jahrhundert aus Fragmenten des ursprünglichen Ambos, Altars und der Ikonostase zusammengesetzt. Ihre Dekore erinnern an kostbare Stoffe, Emaillearbeiten und orientalische Teppiche. Auf der gegenüberliegenden Seite des Kirchenschiffs befindet sich das sogenannte „Postergale“ – ein geschnitztes Paneel aus der Zeit Friedrichs II. Es gehörte vermutlich zu einer der ursprünglichen Zugangsrampen. Eine verbreitete Interpretation sieht darin eine imperiale Vision: Friedrich II. gemeinsam mit Friedrich Barbarossa, Heinrich VI. und Konrad IV. Eine alternative Deutung identifiziert die Figuren als Jerusalem, einen Adligen, Friedrich II. und Konrad IV. Die zweite Rampe – heute verloren – könnte den Phönix dargestellt haben, Sinnbild für Unsterblichkeit und geistliche Autorität im Kontrast zur weltlichen Macht des Reiches.
Links vom Haupteingang befinden sich zwei bedeutende Denkmäler: das Grab von Bischof Giovanni Barba, dem Gründer des Diözesanseminars, und das Kenotaph von Cornelio Musso, dem berühmten Prediger auf dem Konzil von Trient, geschaffen von neapolitanischen Bildhauern im 18. Jahrhundert.
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