Wenn man den Vittorio-Emanuele-Boulevard entlangspaziert, fällt es schwer, nicht stehenzubleiben und zwei prächtige Gebäude zu bewundern, die sich mit beeindruckender Eleganz gegenüberstehen. Bis ins 19. Jahrhundert waren diese Paläste von einem großen italienischen Garten umgeben – einst einer der schönsten im Großraum Bari.
Beide Gebäude wurden von der adligen Familie Gentile in Auftrag gegeben, die normannischer Herkunft war. Auch wenn die Gärten heute fast vollständig verschwunden sind, stehen die Paläste noch immer stolz da. Auf der Westseite befindet sich der neoklassizistische Palast Gentile “Junior”, auf der Ostseite der aufwendiger gestaltete Palast Gentile “Senior”, in dem heute das Rathaus von Bitonto untergebracht ist.
Die Familie Gentile ließ sich im 16. Jahrhundert in Bitonto nieder.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts prägten zwei Brüder – Diego und Vincenzo Gentile – das Erbe der Familie entscheidend. Ihr Vater Michele hatte bereits enge Verbindungen zum Malteserorden aufgebaut. Diego diente in Napoleons Armee während des Russlandfeldzugs an der Seite von Murat, während Vincenzo, ein Anhänger revolutionärer Ideale, die beiden heute sichtbaren Paläste sowie mehrere Landvillen errichten ließ.
Der Ausbau des Stadtgebiets wurde damals durch die Schließung der alten San-Leo-Messe im Jahr 1778 gefördert. So entstand neuer Raum zwischen den wichtigsten Bereichen der Stadt. Neue Straßen wurden von einem der alten Stadttore aus angelegt, was das Stadtzentrum nach und nach von seinem ursprünglichen Kern in Richtung eines neuen, moderneren Viertels verlagerte.
Diego hinterließ keine Kinder, während Vincenzo zwei Söhne hatte – Domenico und Francesco –, die die Paläste erbten. Der “Senior”-Palast wurde von Luigi Castellucci entworfen, der “Junior”-Palast von Raffaele Comes – beide Schüler des berühmten Bitontiner Architekten Francesco Saponieri, der eine neoklassizistische Schule in Neapel gegründet hatte. Diese Residenzen waren für den Adel bestimmt. Anders als viele andere Gebäude in der Stadt besitzen sie keine Ladeneingänge im Erdgeschoss, sondern elegante Fensterreihen und schmuckvolle Balkone.
Der Palast Gentile “Senior”, heute das Rathaus, besticht durch seine harmonische Schönheit. Dorische und ionische Pilaster gliedern die Fassade, während das große Steinportal von einem Balkon mit lokal behauenen Säulen überragt wird. Darüber schmücken dekorative Friese und klassische Reliefs die Wand. Im oberen Geschoss wechseln sich Balkone mit dreieckigen und geschwungenen Giebeln ab, gekrönt von einem kunstvoll gearbeiteten Gesims.
Durchschreitet man das Hauptportal, betritt man eine eindrucksvolle Eingangshalle. An der Decke prangt das Wappen der Familie Gentile – ein goldener Löwe mit grünen Krallen –, flankiert von Orden dreier religiöser Gemeinschaften: Johanniterorden, San Gennaro und der Konstantinischen Ordensgemeinschaft des Heiligen Georg. Von hier aus gelangt man in einen eleganten quadratischen Innenhof mit einer prächtigen Treppe, inspiriert vom Architekten Vanvitelli. Die mittlere Treppe wird von zwei seitlichen Aufgängen eingerahmt, die zu einem Podest mit anmutigen Bögen führen. Im Inneren finden sich noch heute Spuren der einstigen Pracht: Kamine aus Marmor, handbemalte Fliesen aus Vietri und Capodimonte sowie kunstvolle architektonische Details, die von der noblen Vergangenheit des Gebäudes erzählen.
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