Bereits seit dem 17. Jahrhundert gibt es in Bitonto eine lebendige Theatertradition. Aufführungen fanden häufig in öffentlichen Gebäuden statt – etwa im Bischofspalast, wo auch Hochzeitsfeiern ausgerichtet wurden. Galerien und unterirdische Ölmühlen adliger Residenzen wurden von geschickten Dekorateuren in provisorische Theater verwandelt – Orte der Unterhaltung für das Volk, belebt von lokalen Akademien, die sich der dramatischen Kunst widmeten.
In den 1830er-Jahren begannen Städte und Gemeinden, feste Theatergebäude zu errichten. In Bitonto wurde dieser Traum 1835 Wirklichkeit, als sich einundzwanzig Adelsfamilien zusammenschlossen, um den Bau eines „komfortablen und gut gestalteten Theaters zum Vergnügen der Öffentlichkeit“ zu finanzieren.
Nach der Genehmigung durch König Ferdinand II. erwarb das Organisationskomitee ein Grundstück entlang der alten habsburgischen Festungsmauern. Im Gegensatz zum nahegelegenen Palast Pannone–Ferrara, bei dem die Stadtmauer abgerissen wurde, um Platz für den Neubau zu schaffen, wurde beim Theaterbau ein Teil der alten Mauer in das neue Gebäude integriert. Das Projekt war Teil eines umfassenderen städtebaulichen Erneuerungsprozesses, der Bitonto im frühen 19. Jahrhundert stark veränderte.
Der Bau erforderte eine Investition von 8.500 Dukaten.
Die Fassade des Theaters ist zweigeschossig aufgebaut: Das Erdgeschoss besteht aus glattem Steinmauerwerk, während das obere Stockwerk verputzt wurde, um wie rustikale Steinquader zu wirken. Ursprünglich befanden sich zwischen den Fenstern Nischen mit Büsten berühmter Komponisten – diese sind heute verloren. Erhalten geblieben sind jedoch die Medaillons mit den Porträts von vier der bedeutendsten Persönlichkeiten der italienischen Theaterliteratur.
Obwohl das Theater klein ist, folgt es dem klassischen italienischen Grundriss: Es verfügte über drei Ränge mit Privatlogen (den Stifterfamilien vorbehalten), eine Galerie, ein Parkett sowie eine großzügige Bühne.
Im Jahr 1950 wurde das Gebäude in ein Kino umgewandelt. In den folgenden Jahrzehnten verfiel es zunehmend. In den 1970er-Jahren führten starke Regenfälle und eindringendes Wasser schließlich zum Einsturz des Daches – der Innenraum wurde dabei vollständig zerstört.
Ende des 20. Jahrhunderts erwarb die Stadt Bitonto das Gebäude. Nach einer langen und sorgfältigen Restaurierung wurde es am 16. April 2005 – genau 167 Jahre nach seiner ursprünglichen Einweihung – mit der Aufführung von Der umherziehende Ritter feierlich wiedereröffnet. Zu diesem Anlass benannte der Stadtrat das Theater offiziell nach dem berühmtesten Komponisten der Stadt: Tommaso Traetta – ein Zeichen der tiefen Verbundenheit zwischen Bitonto und seiner Theatertradition.
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