Der Palast Ventafridda spiegelt die reiche und facettenreiche Persönlichkeit von FrancescoVentafridda (1844–1895) wider – einer vielseitigen Figur in der Kulturgeschichte von Bitonto. Als Musiker, Musikwissenschaftler, Maler und Fotograf hinterließ er seine künstlerische Handschrift direkt im Gebäude, indem er die Eingangshalle selbst gestaltete und so einen eleganten und ausdrucksstarken Raum schuf.
Das eingeschossige Gebäude wirkt schlicht, aber äußerst fein proportioniert. Architekt Luigi Castellucci entwarf es mit einem klar strukturierten, ausgewogenen Grundriss. Die Hauptfassade ist in zwei Ebenen und drei Abschnitte gegliedert: ein schmalerer Mittelteil und zwei breitere Seitenabschnitte, die von Pilastern eingefasst werden. Das große zentrale Portal im Erdgeschoss wird von einem Rundbogen überdacht und von zwei eleganten dorischen Halbsäulen flankiert. Diese sind von vertikalen Steinrahmen eingefasst – ein Gestaltungselement, das sich im Obergeschoss wiederholt, wo es das mittig platzierte Fenster umrahmt, das exakt über dem Haupteingang liegt.
Die Gebäudeseite, die zum Marconi-Platz zeigt, beherbergte früher Lagerräume – ein Hinweis auf die doppelte Funktion des Palastes als Handels- und Wohnhaus. Die Türen hier sind mit flachen Rundbögen und massiven Steingewänden versehen – typisch für Gebäude, die einst gewerblich genutzt wurden. Die Fenster sind schlicht, ohne Verzierungen, mit zurückhaltenden Rahmungen. An der Hauptfassade hingegen treten die Balkone markanter hervor, getragen von massiven steinernen Konsolen. Die Balkone zum Platz hin sind hingegen dezenter und zurückhaltender gestaltet.
Auch wenn die äußere Erscheinung eher zurückhaltend wirkt, offenbart der Palast im Inneren seinen wahren Charakter. Der zentrale Innenhof öffnet sich zu einer prachtvollen Treppe, die von den dramatischen und harmonischen Entwürfen des Architekten Sanfelice inspiriert ist. Das helle Steinmaterial und die weiß getünchten Tonnengewölbe unterstreichen das Gefühl von Weite und verleihen dem Raum eine ruhige und feierliche Atmosphäre.
Der Bodenbelag wechselt zwischen grob behauenen Steinen und großen Platten aus vulkanischem Gestein – ein reizvoller Kontrast aus Texturen. Das auffälligste dekorative Element findet sich in der Decke der Eingangshalle: Weiße Stuckarbeiten und Stuckleisten heben sich deutlich vom pompejanisch roten Hintergrund der bemalten Felder ab. In den vier Ecken des Gewölbes malte Ventafridda symbolische Darstellungen der vier großen Künste – Malerei, Bildhauerei, Architektur und Musik –, jede umrahmt von Lorbeerzweigen. Ein Detail, das seinen vielseitigen Geschmack und seine tiefe künstlerische Sensibilität perfekt widerspiegelt – und Ventafridda zu einer der herausragendsten kulturellen Persönlichkeiten Bitontos macht.
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