Entlang der Via Ambrosi – einer alten Straße, die bis in die klassische Zeit zurückreicht – erhebt sich der majestätische Gentile–Labini–Sylos-Palast. Sein komplexer Grundriss ist das Ergebnis mehrerer Bauphasen, die auf älteren Strukturen aufbauen. Das Gebäude besticht durch seine großzügigen Proportionen und die elegante Architektur, deren Linienführung besonders harmonisch wirkt. Der Blick wird sofort von der dunklen Rustizierung des Kalksteins angezogen, die der Fassade ein reich strukturiertes Aussehen verleiht.
Der unregelmäßige Grundriss des Palastes spiegelt die verschiedenen Etappen seiner Entwicklung wider. Die ursprüngliche Struktur, die 1599 vollendet wurde, entstand in einer Zeit des tiefgreifenden Wandels: Bitonto, befreit von feudaler Herrschaft, öffnete sich dem Handel, der Kultur und den Künsten – und markierte so den Beginn einer lebendigen architektonischen Erneuerung.
Im Jahr 1613 wurde ein bedeutender Ausbau des Palastes in Auftrag gegeben, der einen zweiten Stock und ein geneigtes Dach umfasste – wie die Mansardfenster an beiden Enden der Fassade belegen.
Die Straßenseite zur Via Ambrosi ist mit regelmäßig behauenen Kalksteinblöcken verkleidet. Die unregelmäßige Rustizierung wird durch ein horizontales Gesims unterbrochen, das die großen Fenster stützt. Der Haupteingang – ein schönes Beispiel für den Renaissancestil – trägt im Schlussstein des Rundbogens das eingemeißelte Wappen der Familie Labini. Etwas weiter rechts vom Portal befindet sich der Labini-Bogen, ebenfalls mit einem Familienwappen geschmückt, der in einen antiken Innenhof führt. Hier gruppieren sich einige Wohnhäuser, die den mittelalterlichen Grundriss bewahren und einst Teil des historischen jüdischen Viertels von Bitonto im 12. und 13. Jahrhundert waren.
An der Seite zur Via San Luca wird das Gesims von einem markanten Balkon unterbrochen. In der oberen Etage, an der Gebäudeecke, befindet sich ein Wappen aus dem 17. Jahrhundert, eingefasst in eine dekorative Schriftrolle. Es zeigt einen aufgerichteten Löwen, der auf dem Gesicht eines Cherubim ruht – das Wappen der Familie Gentile, der ursprünglichen Eigentümer des Palastes.
Die Eingangshalle mit ihrer rippengewölbten Decke ist mit eingeritzten Kiefernzapfen geschmückt – einem Symbol der Unsterblichkeit. An der Wand des Innenhofs ist ein zisterneartiger Wasserbehälter aus dem späten 16. Jahrhundert befestigt, der dem Raum eine elegante Note verleiht.
Das Erdgeschoss, früher mit Lagerkammern, Ställen und Dienstwohnungen belegt, beherbergt heute Wohnungen und Büros.
Gekrönt wird das Gebäude von einem traditionellen doppelten Satteldach, getragen von Holzbalken und gedeckt mit Terrakottaziegeln.
Einige Räume bewahren noch dekorative Jugendstilelemente aus den 1920er Jahren. Zu den charmantesten Merkmalen des Palastes gehört eine kleine Familienkapelle: Der bemalte Steinaltar, der Marmor imitiert, spiegelt sowohl die Religiosität der Familie als auch ihren kultivierten Geschmack wider.
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