Dieses Gebäude befindet sich im ältesten Teil des historischen Zentrums von Bitonto, auf einem Grundstück, das ursprünglich von mittelalterlichen Bauten eingenommen war. Ursprünglich war die Fassade des Palastes hinter einem Zwischentrakt verborgen, in dem sich die städtischen Mühlen befanden. Diese wurden 1601 errichtet und 1882 abgerissen.
Der Palast gehörte der Familie Giannone, einer alten Adelslinie, die bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht und vermutlich aus dem Umfeld von Robert Guiscard in Neapel stammt. Die ursprüngliche Linie erlosch gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Daraufhin entstand ein neuer Familienzweig mit Doppelnamen, der ein neues Kapitel in der Geschichte der Familie einleitete.
Der Bau des Palastes begann 1694 unter der Leitung von Valentino de Valentino, dem Begründer einer angesehenen Familie von Baumeistern und Architekten aus Neapel, die sich in Bitonto niederließen. Laut einer Inschrift neben dem Haupteingang wurde das Gebäude 1715 vollendet.
Während des Baus wurde der Palast direkt an die Apsis der benachbarten Kirche San Silvestro angebaut. Dabei wurde ein Teil des früheren Friedhofsgartens einbezogen, was den Abriss des alten Glockenturms erforderlich machte. Grundrisszeichnungen aus dem frühen 18. Jahrhundert zeigen eine ursprüngliche Raumaufteilung mit einer weiter links gelegenen Treppe. Die Innenräume waren um große Empfangssäle herum angelegt, in denen sich im 17. Jahrhundert die Akademie der Erleuchteten Geister versammelte – ein intellektueller Zirkel, der von Bischof Carafa ins Leben gerufen wurde, um philosophische und literarische Debatten zu fördern.
Im Jahr 1882 ließ der Ingenieur Raffaele Comes – eine bedeutende Figur in der eklektischen Architekturszene Bitontos – den Palast renovieren. Er war maßgeblich an zahlreichen Projekten zur städtischen Erweiterung beteiligt.
Der heutige Putz der Fassade verdeckt viele der ursprünglichen architektonischen Feinheiten, wodurch der Palast im Stadtbild fast unauffällig wirkt. Rechts vom Gebäude sind noch Spuren der ehemaligen Kirche Santa Maria della Scala zu erkennen, die früher unter dem Namen „Altes Fegefeuer“ bekannt war. Ein einzelnes Lanzettenfenster, eingelassen in die Steinmauer, ist eines der wenigen erhaltenen Elemente und stammt vermutlich aus der ursprünglichen mittelalterlichen Kirche.
Das ursprüngliche Portal des Palastes wurde vermutlich im Zuge der Umgestaltung der Piazza in der Mitte des 19. Jahrhunderts entfernt. Der heutige Eingang ist ein schlichtes, rundbogiges Portal in rechteckiger Rahmung, darüber ein Fenster. Rechts davon durchbrechen die Balkone das horizontale Gesims und schaffen so einen lebendigen Kontrast zur ansonsten klassischen Fassadengestaltung.
Im Innenhof erwartet die Besucher eine beeindruckende architektonische Szenerie: Drei breite Rundbögen im Erdgeschoss ruhen auf massiven Pfeilern und tragen eine elegante Galerie im Obergeschoss.
Im ersten Zwischengeschoss ist ein Fresko der Madonna der Barmherzigkeit, erhalten, das stilistische Ähnlichkeiten mit dem Fresko unter dem Bogen von Arco Pinto aufweist. Es zeigt die Jungfrau Maria, die den Leichnam Christi nach der Kreuzigung hält.
Ein Teil des Freskos wurde später überputzt, doch man vermutet, dass es ursprünglich auch eine Darstellung des Adligen Giacomo Giannone Alitti enthielt, der 1663 in Japan wegen seines christlichen Glaubens das Martyrium erlitt. Sein Abbild findet sich auch in einem weiteren Fresko unter einem Bogen in der Nähe des Sylos-Sersale-Palastes.
Das heutige Erscheinungsbild des Palastes geht auf die Renovierungen von 1882 zurück, die mit dem Abriss der Mühlenstraße zusammenfielen und das städtische Umfeld rund um den Palast nachhaltig veränderten.
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